Carbonbeton-Thermowände für moderne Wohnraumerweiterung
In Markkleeberg bei Leipzig entstand kürzlich die Erweiterung eines Einfamilienwohnhauses aus den 1930er-Jahren. Ziel des privaten Bauherrn war es, die Wohnräume zu vergrößern und zeitgemäß zu gestalten, ein modernes, energetisch leistungsfähiges Gebäudevolumen zu schaffen und zugleich das Grundstück neu zu zonieren. Dafür ergänzt ein eingeschossiger, riegelförmiger Anbau mit insgesamt 59 qm Wohnfläche inklusive Hauswirtschaftsraum und 24 qm Garagennutzfläche das Bestandsgebäude. Mit einer Gebäudelänge von 15,5 m, einer Breite von 6,5 m und einer Höhe von 4 m fügt sich der Neubau trotz seiner klaren, modernen Kubatur harmonisch in das heterogene Wohngebiet aus Ein- und Mehrfamilienhäusern ein.
Zum Einsatz kam ein Thermowand-System gefertigt vom Syspro-Mitglied Betonwerk Oschatz (BWO). Die Montage der Halbfertigteile sowie die Herstellung des Ortbetonkerns und der Ortbetondachdecke erfolgte von Anfang Juni bis Ende Juli 2025.
Die Außenwandkonstruktion folgt einer Stahlbeton-/Carbonbeton-Hybridbauweise. Im Werk vorgefertigte Halbfertigteile kombinieren eine Carbonbeton-Außenschale mit einer Kerndämmschicht und der tragenden Innenschale aus Stahlbeton, die auf der Baustelle um einen Ortbetonkern ergänzt wird. Carbonbeton bietet im Vergleich zu klassischen Stahlbetonlösungen entscheidende Vorteile – die Bewehrung ist vollständig korrosionsfrei, ermöglicht geringere Wandstärken und reduziert das Bauteilgewicht.
Für das Projekt in Markkleeberg war die energetische Leistungsfähigkeit von besonderer Bedeutung. Die Thermowände mussten einen deutlichen energetischen Mehrwert erzeugen, um die Defizite des Bestandsgebäudes zu kompensieren. Die anthrazit eingefärbte Carbonbeton-Außenschale erreicht zudem absorptive Werte von 0,9 im kurzwelligen und 0,95 im langwelligen Bereich – ein Effekt, der die Oberflächen morgens rasch erwärmt, die Feuchtezeiten reduziert und so Algen- und Pilzbildung hemmt.
Obwohl der serielle Montageprozess im Werk und auf der Baustelle technisch klar definiert war, stellte der Anbau die Beteiligten vor einige Herausforderungen. Die Zufahrt im Wohngebiet war eng, die großformatigen Elemente mussten präzise eingehoben werden. Trotz dieser Bedingungen gelang es, sämtliche Wände innerhalb von rund vier Tagen zu stellen.
Die großen Fensterflächen zum Garten auf der Ostseite erforderten weit gespannte Sturzelemente, während baurechtliche Rahmenbedingungen eine komplexe Geometrie im Bereich der nördlichen Giebelwand nötig machten – dort knickt die Wand zum Dach hin ab, während die Carbonbeton-Außenschalen an den Längsseiten diesen Knick allein mit ihrer Plattenstärke elegant überdecken, um die gestalterische Kontinuität zu sichern. Zusätzliche Präzision war an den Stirnseiten der Thermowände im Bereich der Fenster erforderlich, wo schmale, filigrane Carbonbetonschalen kraftschlüssig in den Ortbeton eingebunden wurden. Die Attika wurde lediglich in der Stärke der Außenschale ausgeführt – für den oberen Bereich wurde diese von vier auf sechs Zentimeter aufgedickt, um die statischen Anforderungen zu erfüllen.
Das Projekt erfüllt die Kriterien für staatliche Förderungen – darunter den Bonus für serielle Sanierung sowie energetische Standards gemäß KfW 55. Die Thermowandkonstruktion trägt aufgrund ihrer hohen Dauerhaftigkeit und des niedrigen energetischen Herstellungsaufwands zu einer positiven Primärenergiebilanz bei.
Gestalterisch wird die klassische Fertigteilbauweise bewusst zurückgenommen – großformatige Elemente, ein reduziertes Fugenbild und die dunkel eingefärbten Carbonbetonschalen schaffen eine moderne, monolithische Fassadenwirkung.
Nach Abschluss der Rohbauphase entsteht ein kompakter und energetisch leistungsstarker Baukörper, der die Wohnqualität des Gebäudes deutlich erhöht und über Jahrzehnte wartungsarm bestehen wird – ein Ergebnis, das nicht zuletzt der integrierten Planung, Bauleitung und Bauüberwachung durch die Kahnt & Tietze GmbH zu verdanken ist.
Die Zufahrt im Wohngebiet war eng, die großformatigen Elemente mussten präzise eingehoben werden. Trotz dieser Bedingungen gelang es, sämtliche Wände innerhalb von rund vier Tagen zu stellen. Foto: Kahnt & Tietze GmbH
Die großen Fensterflächen zum Garten auf der Ostseite erforderten weit gespannte Sturzelemente. Foto: Kahnt & Tietze GmbH
Baurechtliche Rahmenbedingungen machten eine komplexe Geometrie im Bereich der nördlichen Giebelwand nötig – dort knickt die Wand zum Dach hin ab.
Foto: Kahnt & Tietze GmbH
Zusätzliche Präzision war an den Stirnseiten der Thermowände im Bereich der Fenster erforderlich, wo schmale, filigrane Carbonbetonschalen kraftschlüssig in den Ortbeton eingebunden wurden. Foto: Kahnt & Tietze GmbH
Die Attika wurde lediglich in der Stärke der Außenschale ausgeführt – für den oberen Bereich wurde diese von vier auf sechs Zentimeter aufgedickt, um die statischen Anforderungen zu erfüllen. Foto: Kahnt & Tietze GmbH
Der Syspro-Gruppe Betonbauteile e. V. ist ein 1991 gegründeter Verbund größtenteils mittelständischer Hersteller von Betonfertigteilen zur Qualitätssicherung und Produktentwicklung. Unter der Dachmarke Syspro agieren die einzelnen Mitgliedsunternehmen als lokale Marktpartner für Planende und Bauherrschaft. Zum Produktportfolio gehören neben Doppelwänden und Elementdecken auch wärmedämmende und thermisch aktive Bauteile wie Thermowände und Klimadecken. Die Produktfamilie SysproGreen ermöglicht Lösungen für besonders energieeffizientes Bauen und steht für ein Bekenntnis zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Mitglieder der Syspro stammen aus Deutschland, Österreich, Norditalien und Belgien.
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